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Kinderreigen, 1956

von Ernst Thomann

Muschelkalk, 100 x 140 x 20 cm

Universitätsklinikum Freiburg
Heilig-Geist-Straße
Klinikpark des Universitätsklinikums
hinter dem Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin

 

Mut machen und Kraft geben

Wie versteinert stehen die vier Mädchen aus Muschelkalk vor der Kinderklinik, obwohl sie sich zuvor noch munter in Ernst Thomanns Atelier im Kreis gedreht hatten. Der ursprünglich als fröhlicher Tanz konzipierte Kinderreigen wurde in seine Schranken gewiesen, denn er paßte laut Kunst-am-Bau-Ausschuß des Universitätsbauamtes nicht zu den länglichen, blockhaften Gebäuden der Kinderklinik.

Trotz dieser Einschränkung schuf Thomann eine Skulptur, die seinen Idealen von Kunst entsprach: Der Achtung vor der Eigengesetzlichkeit des Materials. »Stein verlangt ja, daß man ihn leben läßt und weiß, wie weit man in ihn arbeiten darf.«

Man kann tatsächlich noch den Urzustand des Steinblockes erahnen. Die Figuren sind massiv und kantig – Mädchen, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen. Sie strahlen dadurch eine Stärke aus, die den Kindern in der Klinik Mut machen und Kraft geben soll.

Die Blicke der zwei äußeren sind auf die Mädchen in der Mitte gerichtet und schließen die Gruppe zusammen. Sie bilden, unterstrichen durch ihre Berührungen, eine untrennbare Einheit. Gestärkt von beiden Seiten können die beiden mittleren den Blick nach vorne wagen.

Alle vier weisen dieselbe Größe, ähnliche Gesichter und Frisuren auf und sind gleich bekleidet. Dadurch werden sie austauschbar. Da sie keine Individuen sind, geben sie dem Betrachtenden die Möglichkeit, sich in die Rolle der »tanzenden« Kinder zu begeben, am Ringelreihen teilzunehmen und sich an ihrem Glück zu freuen.

Jutta Biedermann

 

aus: Skulptur in Freiburg, Kunst des 20. Jahrhunderts im öffentlichen Raum;
Herausgegeben von Michael Klant in Zusammenarbeit mit Oliver Dieskau;
mondo verlag GmbH, Freiburg im Breisgau, 1998, ISBN 3-922675-76-X

 

Kinderreigen (www.bildkunst.uni-freiburg.de)

 

   
   
     
 

 


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